Ethik in der Natur- und Tierfotografie

Vorbetrachtung, Musterbeispiele aus dem täglichen Erleben und die Rolle des Fotografen

Als Natur und Tierfotograf mache ich mir sehr viele Gedanken über die Ethik in diesem Genre. Klar ist Ethik ein hochtrabendes Wort für ein Hobby, das man aus Freude betreibt. Viele werden sagen, solche Begrifflichkeiten gehören doch eher in den gewerblichen Bereich. Ich hoffe, da sind mit mir viele  anderer Meinung.

Über die Medien werden wir zum Beispiel auf das Schwinden der Urwälder in Indonesien oder Brasilien informiert. Doch was passiert in einem Land wie Deutschland? Fakt ist, jeden Tag schwindet auch bei uns in beträchtlichem Ausmaß Naturraum für Industrie, Landwirtschaft, Straßenbau und für die Erweiterung von städtischen Baumaßnahmen. Fakt ist auch, dass wir mit an der Spitze der am dichtesten bevölkerten Ländern in der EU gehören (zu den Zahlen).

Mit dem Finger auf andere zeigen?

Ich stelle schon lange an eigenen Beobachtungen fest, dass von Jahr zu Jahr, auch von mir geliebte ruhige Naturlandschaften immer stärker von Menschen frequentiert werden und unter »Druck« geraten. Nur drei Beispiele für ungebührliches dummes Verhalten:

  • Eine Familie mit Kindern dringt in ein umzäuntes Naturschutzgebiet mit Warntafeln »Wertvolles Brutgebiet« ein und pflückt fleißig Blümchen für Muttertag. Das »pädagogisch höchst wertvolle Verhalten der Eltern« wird weiterhin seine Spuren in den Köpfen der Kinder hinterlassen.
  • An einem anderen Tag waren es pubertierende Mädchen, die dort die Warntafeln missachteten um Selfies zwischen den Blumen zu knipsen.
  • Immer öfter kann man auch erleben, dass im oder mit Glück auch nur in der Nachbarschaft des Naturschutzgebietes »Party« gefeiert wird. Die modernen Powerlautspechern für Handys führt ja ohnehin schon so mancher Irrer mit sich herum.

Selbstkritik von Naturfotografen in Puncto Ethik gefragt

Wir dürfen nicht vergessen, dass auch wir Fotografen oft Teil dessen sind, was ich als ethisch verwerflich bezeichne. Zumindest dann, wenn wir für ein nach unseren Maßstäben »sensationelles Foto« die Grenzen überschreiten. Sei es aus Dummheit, sei es aus einem inneren Trieb »Das« Foto zu schießen, um es im Internet zu präsentieren wie eine Trophäe. Jeder muss für sich selbst den Maßstab finden, was er als richtig oder falsch sieht. Jeder wird für sich aus Fehlern lernen. Jedem muss bewusst sein: Wo immer mehr Fotografen den »Helden« und »Platzhirschen« im Internet nacheifern, wird es auch immer mehr dieser Fehler geben und der Druck auf Flora und Fauna wird weiter steigen. Insofern hat jeder der Fotos im Internet darstellt, auch eine Verantwortung. Es muss uns klar sein, dass wir bei jedem Schritt und Tritt Spuren hinterlassen. Die Fotografie von seltenen Tieren oder Pflanzen, unter Missachtung bestehender Verordnungen und Gesetze, ist sowieso verwerflich. Ein einfaches Beispiel wäre die Missachtung eines Betretungsverbotes, um einen Seeadler am Horst immer schärfer und vollformatiger abzulichten.

Hinterfrage Dich, wie wichtig dir die Fotografie und Technik im Vergleich zum Naturschutz ist. Was tust Du aktiv, um der Natur wieder etwas zurück zu geben.

Informationen, Quellen und externe Links zur Thematik

Die Gesellschaft Deutscher Tierfotografen hat hier bereits versucht, Ethik-Richtlinien für Fotografen zu erstellen. Daher will ich einfach den Ratschlag geben, diese Richtlinien zu beherzigen und verlinke sie hier:

Übrigens drängst sich mir in solchen Zeiten immer öfter die Frage nach der Ethik in der Jagd auf. Doch das ist eine andere Geschichte, die ich sicher noch aufgreifen werde.

 

Zufallsbegegnung mit Seeadler

An den folgenden Fotos eines Seeadlers möchte ich kurz unter Beweis stellen, wie schön ungewollte Naturerlebnisse sein können. Sie entstanden auch nicht in einem Bereich mit Betretungs- oder Befahrungsverbot.

Während ich mich in Mecklenburg-Vorpommern auf einem See im Faltboot treiben ließ, um Haubentaucher mit einem 600 mm Objektiv zu fotografieren, flog zu meiner Überraschung in unmittelbarer Nähe, dieser adulte Seeadler in einen Baum. Der Wind trieb mich langsam in seine Nähe. Das Fotografieren selbst war etwas umständlich, da sich der Adler sehr viel Zeit nahm, ohne von mir groß Notiz zu nehmen. In dieser Zeit hatte ich damit zu kämpfen, nicht in den Seerosengürtel getrieben zu werden.

Die Kamera musste also immer wieder aus der Hand gelegt werden. So ein Boot ist ja ohnehin recht wackelig fürs Fotografieren. Das Schöne war, der Seeadler hatte gewissermaßen meine Nähe gesucht“ und nicht umgekehrt. Seeadler-Tourismus lehne ich ab. 

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen